Gebäude motiviert, Primus zu werden

erschienen in "Die Glocke", 24.09.2019


Offiziell freigegeben worden ist die Schulstraße: Dabei fassten mit an (hinten, v. l.) Yvonne Flechtner (Schulpflegschaft). Architekt Sigurd Larsen, Bürgermeister Theo Mettenborg, kommissarischer Schulleiter Dominik Heikel, Meinolf Klahold (Bezirksregierung). Lehrerin Katharina Sterzinger. Schülerin Lena-Celine Venten und Rainer Hagemeister (Kreissparkasse Wiedenbrück) sowie (vorne, v. l.) die Schülerinnen Fiona. Nina. Seyma, Ceylin, Belinay, Sophie und Sarah Charlotte.

Von unserem Redaktionsmitglied

Katharina Werneke

Rheda-Wiedenbrück (gl). Tellergeklapper und Schülergeplapper oder lieber mitreißender E-Gitarrensound und tosender Beifall? Je nach Gusto und Anlass ist in der Städtischen Gesamtschule am Standort Rheda einiges möglich, denn im Neubau an der Fürst- Bentheim-Straße wird Flexibilität groß geschrieben.

So ist aus dem Raum, der im Schulalltag als Mensa praktische Dienste leistet, anlässlich der offiziellen Eröffnungsfeier kurzerhand ein festlicher Bühnensaal geworden. „Heute ist ein großer Tag für Rheda-Wiedenbrück“, unterstrich Bürgermeister Theo Mettenborg an die bunte Gästeschar gerichtet die Bedeutung des Gesamtschulprojekts, das die „bedeutendste Weichenstellung“ innerhalb der hiesigen Schullandschaft während der vergangenen Jahrzehnte sei. Er erinnerte an den Spatenstich im Oktober 2016 und blickte auf den langen Dialog sowie Entscheidungsprozess zurück, der der Gründung zugrunde gelegen habe. Rund 21 Millionen seien in die Gebäude des neuen Lernorts (samt Dreifeldhalle) geflossen, etwa 24 Millionen Euro mit Innenausstattung.

Im  Alltag wird der 780 Quadratmeter große Saal als Mensa genutzt, und durch Gardinen lassen sich kleine Einheiten abteilen.


Ein gemeinsamer Treffpunkt für die Pädagogen ist die so genannte Lehrer-Lounge im neuen Gesamtschulgebäude in Rheda. Dies ist nützlich, da es diverse Jahrgangsstufenhäuser gibt.

Die Ausbauphase sei ein „ganz immenser Kraftakt gewesen“, dankte Mettenborg für das „leidenschaftliche Engagement“ der Beteiligten – also Vertretern aus Politik und Verwaltung, den Akteuren rund um den Bau, sowie Mitwirkenden aus Eltern-, Lehrer- und Schülerschaft. „Wir halten unser Versprechen, eine ausgezeichnete Schule zu bauen“, betonte der Bürgermeister, dass Rat und Verwaltung ihr Wort eingelöst hätten. Er wünsche sich nun, dass daraus Ansporn und Motivation erwachsen, „dass unsere Gesamtschule Rheda-Wiedenbrück die beste in ganz OWL wird“.

„Es war eine sehr anstrengende Phase, aber es hat sich gelohnt“, konstatierte Meinolf Klahold von der Bezirksregierung Detmold und ließ nicht unerwähnt, dass drei andere Schulen hätten auslaufen müssen. Doch entstanden sei ein moderner Lern- und Lebensraum, in dem Konzentration ebenso wie Entspannung ihren Platz finden und Heterogenität gelebt werden könne. „So schön, hell, einladend kann Schule sein“, stellte er sich zufrieden umschauend fest und wünschte den Schülern, dass sie sich mit diesem Ort identifizieren, ihn gestalten und pflegen.

„Ich finde, hier ist kein Gebäude entstanden, sondern ein „Schuldorf“, hob Yvonne Flechtner, Vorsitzende der Elternpflegschaft, den besonderen Charakter der Inneneinrichtung hervor, für die Architekt Sigurd Larsen verantwortlich zeichnet. Ein besonderes und oft gelobtes Merkmal der Konzeption ist die so genannte Schulstraße, die der Bürgermeister auch als „Lebenslinie“ bezeichnete. Sie verläuft sowohl durch das Gebäude als auch das Außengelände und verbindet diverse Orte zum Spielen, Lernen sowie Verweilen.

Flexible Räume mit Zukunftsperspektive

Rheda-Wiedenbrück (kaw). Rund 1300 Mädchen und Jungen besuchen die Städtische Gesamtschule in Rheda-Wiedenbrück eigenen Angaben zufolge, davon rund 800 den Standort Rheda. Im Rahmen der Eröffnung wurden die Besucher dazu eingeladen, an Führungen durch die neuen Räumlichkeiten teilzunehmen. So konnten sie beispielsweise nachvollziehen, warum Fünftklässlerin Sarah Charlotte die Holzelemente mit den gemütlichen Rückzugsnischen so gut gefallen, und einen Blick in die Bibliothek werfen. Dort laden nicht nur Bücher zum Schmökern ein, sondern Computerarbeitsplätze zum Lernen und ein dunkelblauer Holzraum zum Abtauchen.

Multifunktional: Das Holzelement in der Bibliothek dient als Regal und Rückzugsort zugleich.


Einen Blick in diverse Lernräume konnten die Besucher im Rahmen von Führungen werfen. Die Gesamtschule verfügt unter anderem über Werkräume.

In modern eingerichteten Werkräumen – unter anderem gibt es eine CNC-Fräse – können die jungen Menschen handwerklich tätig werden. Beim Betreten des ZDI-Schülerlabors Digitale Medien ziehen Videokameras die Blicke auf sich, mit denen die Lernenden beispielsweise You-Tube-Videos drehen können. Und mancher Pädagoge begrüßt, da in Jahrgangsstufenhäusern unterrichtet wird, die Lehrer-Lounge, einen Kommunikationsraum, in dem sich die Unterrichtenden treffen können.

So interessant wie die Rundgänge für die Besucher waren, so kurzweilig war zuvor ebenfalls der Festakt über die Bühne gegangen. Schüler legten sich musikalisch ebenso ins Zeug wie eine Lehrerband, die die Aula mit Hits wie „Smoke on the Water“ rockte. Im unterhaltsamen Interviewformat entlockten die Zehntklässler Lena-Celine Venten und Benjamin Hadar als Moderatoren manchem Gast Wissenswertes. So konnte Architekt Sigurd Larsen etwa das zukunftsfähige Gestaltungskonzept, bei dem auf Vielfalt sowie Flexibilität gesetzt werde, erörtern. Dazu gehören demnach Mobiliar und Elemente, die sich leicht austauschen lassen. Und mithilfe der Gardinen, können in dem Mensa- und Theatersaal unkompliziert kleine Räume geschaffen werden. Dieser kann mit 780 Quadratmetern Fläche bis zu 500 Mensasitzplätze bieten und rund 600 Festgäste fassen.

Dominik Heikel, der als kommissarischer Schulleiter derzeit den Ton in der Gesamtschule angibt und zugleich als Posaunist in der Lehrerband zu überzeugen verstand, dankte denjenigen, die den Bau der Einrichtung ermöglicht haben. „Sie alle haben Wort gehalten. Sie haben den Grundstein gelegt.“ Dies versteht er als Verpflichtung dafür, alles dafür zu tun, dass die Bildungseinrichtung eine – und dabei beziehe er sich auf ein Zitat Mettenborgs – „ Schule mit Strahlkraft“ werde.


Begeistert applaudierte die Gästeschar im Saal der Gesamtschule in Rheda den Akteuren auf der Bühne. Am Freitag waren dort feierlich die neuen Gebäude eröffnet worden. Bilder: Werneke

 

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